VCD wertet Verkehrslärmmessung aus

Germering, 15.07.03: In der vergangenen Woche hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) im Kreisgebiet Messungen des Verkehrslärms durchgeführt. Dabei wurde an 7 Stellen in 5 Gemeinden bei betroffenen Bürgern gemessen, die sich auf eine Anfrage gemeldet hatten. Manche davon fühlen sich so stark gestört, dass sie sich auch finanziell an Lärmschutzmaßnahmen zu beteiligen würden, wenn sie dadurch endlich Ruhe hätten.

Um aussagefähige Messwerte zu erhalten wurde nicht die Lautstärke am Straßenrand erfasst sondern direkt dort, wo sie stört, also auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garten hinter dem Haus.

Die Ergebnisse waren Besorgnis erregend. Der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Immissionsgrenzwert von 55 dB(A) wurde während des Berufsverkehrs fast überall um ein Vielfaches überschritten, auch in einer Tempo-30-Zone oder hinter einer Lärmschutzwand. 24-Stunden-Messungen ergaben an Durchgangsstraßen auch in der Nacht gesundheitsschädliche Schallpegel. Auf dem Balkon eines Germeringer Hochhauses wurden fast immer Rekordwerte gemessen. Friedrich Lange, Vorsitzender des Kreisverbandes: "Bei frei stehenden Häusern addiert sich der Verkehrslärm aller umliegenden Straßen. Dagegen helfen nur globale Maßnahmen wie allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkungen oder attraktive Alternativen zur Benutzung des Autos."

Um die Belastung der Mitbürger zu reduzieren kann man sich beim Autokauf an der vom VCD jährlich herausgegebenen Auto-Umweltliste orientieren, die auch die Schallemissionen bewertet. Außerdem kann man beim Umweltbundesamt eine Liste von lärmarmen Autoreifen anfordern.

Auch der vom Schienenverkehr ausgehende Geräuschpegel wurde gemessen. An Streckenabschnitten, an denen die neuen S-Bahn-Züge länger stehen - wie an den Zielbahnhöfen - beklagen die Anwohner die lauten Klimaanlagen. Eine Messung in Buchenau bestätigte, dass eine abgestellte S-Bahn zwar bei weitem nicht so laut wie durchfahrende Züge ist, im nahe liegenden Garten eines Wohnhauses konnte aber eine Erhöhung des Hintergrundgeräusches bis zum 100-fachen (20dB) gemessen werden. Hier muss an die S-Bahn-Fahrer appelliert werden, die Züge an unbewohnten Stellen abzustellen oder die Klimaanlagen der leeren Züge herunterzuregeln.

Die Messergebnisse werden beim nächsten Aktiventreff am 29.7.03 um 20 Uhr im La Piazza bei der Germeringer Stadthalle besprochen oder auch unter Tel. 089 / 841 48 53 gerne erläutert. Auszugsweise sind sie hier dokumentiert.

Aufgrund der Messungen werden sich einige Bürger an ihre Gemeinden wenden und nach einem Lärmminderungsplan fragen. Die Gemeinden können dann überlegen, ob Geschwindigkeitsbeschränkungen und –kontrollen ausreichen oder ob bauliche Maßnahmen wie Lärmschutzwände nötig sind. Lärmschutzfenster sind dagegen, zumindest während der Sommerzeit, keine Lösung.