Pressemitteilung
16/2006

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Nürnberg, 10. Mai 2006

Wenig Begeisterung für Neubaustrecke Nürnberg-Ingolstadt-München

Verkehrsclub Deutschland sieht kritische Haltung bestätigt und fordert Verbesserungen im Regionalverkehr

Nürnberg. - Zur Eröffnung der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Nürnberg und München werden auch kritische Stimmen laut. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert vor allem die fehlende Einbindung in einen integralen Taktfahrplan, die hohen Baukosten für die Strecke über Ingolstadt und die mangelhafte Umweltverträglichkeit.

"Als Verkehrsclub für Umweltbewusste begrüßen wir es, wenn die Bahn schneller und attraktiver wird", sagt Bernd Sluka, Landesvorsitzender des VCD, "aber billiger und attraktiver für viel mehr Menschen wäre dies mit einem Ausbau der bestehenden Strecke über Augsburg möglich gewesen." Die jetzt fertig gestellte Strecke über Ingolstadt hat bei Mehrkosten von etwa einer Milliarde Euro und einer immensen Zerstörung von Natur und Landschaft einen Zeitgewinn von wenigen Minuten gegenüber der Variante über Augsburg. "Jede Minute vermeintlicher Zeitgewinn wird hier mit Hunderten von Millionen Euro und einer gewaltigen Landschaftsverschandelung erkauft", so Sluka.

Dazu kommen die mangelhafte Einbindung in einen integralen Taktfahrplan und der fehlende Ausbau des Gesamtnetzes. "Die Neubaustrecke bedeutet zwar schnelle Züge, aber das ist nicht gleichbedeutend mit kurzen Gesamtreisezeiten", betont Matthias Striebich, der Bahnexperte und stellvertretende Landesvorsitzende des VCD. Um das Beste aus der nun entstandenen Situation zu machen, fordert der VCD einen regelmäßigen Halt der ICEs in Ingolstadt mit Anschluss an die Zweigstrecken in Richtung Regensburg, Augsburg und Ulm sowie einen Ausbau dieser Zweigstrecken für einen attraktiven Regionalverkehr. Mittelfristig soll eine Regionalstrecke von Ingolstadt nach Landshut durch Reaktivierung von Teilstrecken und Neubauabschnitte realisiert werden. Außerdem fordert der VCD eine regelmäßige Fernverkehrsverbindung im Stundentakt auch über Augsburg nach Nürnberg mit Halten in München-Pasing, Augsburg und Donauwörth, um das südwestliche Bayern nicht abzuhängen.

Über die zwei alternativen Trassen war jahrelang gestritten worden. Schließlich setzte sich auf Druck der Bayerischen Staatsregierung die Variante über Ingolstadt durch, das mit dem Altmühltal wertvolles landschaftliches Gebiet durchschneidet. Im Laufe der Bauzeit mussten die Kosten für das Prestigeprojekt immer wieder nach oben auf insgesamt fast vier Milliarden Euro korrigiert werden.

Durch die Verteuerung auf dem Neubauabschnitt blieb für den Ausbauabschnitt zwischen Ingolstadt und München zu wenig Geld übrig. So wird auf der einen Seite mit immensem Aufwand eine hohe Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h erreicht und zwischen Ingolstadt und München fahren die Züge bis auf weiteres auf einem Großteil der Strecke gerade mal mit 120 bis 160 km/h. Die auf dem schnellen Abschnitt gewonnene Zeit geht auf dem langsameren wieder verloren. "Mit etwas mehr Augenmaß hätte man bei einem gleichmäßigen Ausbau mit geringerem Aufwand insgesamt ein ähnliches Ergebnis erzielen können, aber das wäre wohl nicht so prestigeträchtig gewesen", vermutet Striebich.

Rückfragen an Matthias Striebich, Tel. 0172 / 841 83 23 oder das VCD-Landesbüro

 

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