"Verfahrener Domplatz" - eine Liste städtischer Peinlichkeiten
Seit Bekanntwerden des Bürgerbegehrens "Verkehrsberuhigter Domplatz" hat die Stadtspitze diese Initiative immer wieder in bürgerunfreundlichster Weise abqualifiziert und ihr Anliegen zu behindern gesucht. Was dabei auffällt, ist die eigentümliche Mischung aus Arroganz und Hilflosigkeit, mit der ein legitimes Anliegen behandelt wird.
Katalog der Domplatz-"Verfahrenheiten" 1
Lügenvorwurf
Am 02.04.2003, nachdem sich
der Erfolg bei der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren
"Verkehrsberuhigter Domplatz" abzeichnet, bezichtigt
der Oberbürgermeister die Initiatoren öffentlich der Lüge:
"Da wird gelogen" (Mittelbayerische Zeitung vom 02.04.2003).
Die Aufforderung der BI, diese Behauptung zu belegen oder zurückzunehmen,
bleibt unbeantwortet.
Haltlose Unterstellungen
"Audacter calumniare, semper aliquid haeret" -
nur keck verleumdet, etwas bleibt immer hängen: nach diesem
schon im alten Rom bekannten Grundsatz wirft der Oberbürgermeister
der BI in einem umfangreichen Zeitungsinterview am 14.05.2003
vor, ihr gehe es gar nicht um den Domplatz, sondern um eine
Sperrung des Fischmarktes. Dabei ist bereits die Grundaussage,
eine Befreiung des Domplatzes vom Durchgangsverkehr habe eine Erhöhung
der Belastung am Fischmarkt zur Folge, falsch, da der am Domplatz
vorhandene Durchgangsverkehr im weiteren Verlauf auch jetzt schon
Fischmarkt und Keplerstraße durchfährt. Die Frage an den Oberbürgermeister,
worin die Intelligenz der Lösung liegt, diesen Verkehr vorher
auch noch zwangsweise über den Domplatz zu leiten, bleibt
unbeantwortet.
Fast schon unnötig zu sagen, dass entgegen der klaren und
eindeutigen Formulierung des Bürgerbegehrens nicht von einer
Wohnverkehrsstraße am Domplatz, sondern von dessen "Sperrung"
gesprochen wird.
Offen bekundetes Desinteresse
Die am 26.05.2003 vorgebrachte Bitte der BI um einen
Termin zur öffentlichen Übergabe von über 6.700 gesammelten Bürgerunterschriften
wird vom Rathaus so beantwortet, dass das Antwortschreiben nach
dem erbetenen Termin ankommt. Die Tatsache, dass die BI vom Recht
der Presse ausgeht, bei der Übergabe im Rathaus dabeisein zu dürfen,
wird vom OB als "Anschlag auf sein Hausrecht"
kommentiert.
Termintrickserei
Die bürgerfreundliche Koppelung des Entscheids über
das Bürgerbegehren mit der Landtagswahl am 21.09.2003 wird aus
angeblichen "Kostengründen" und wegen "übermäßiger
Belastung" der Wahlhelfer abgelehnt. Lieber belastet man Wähler
und Wahlhelfer mit einem separat angesetzten Wahlgang. Die
Absicht ist klar: so ist es sehr viel schwerer, genügend Wähler
zu bekommen, um das für die Gültigkeit der Abstimmung
erforderliche Zustimmungsquorum zu erfüllen.
Die beiden statt dessen angebotenen Termine (24. August und 19.
Oktober) versuchen jeder auf seine Weise, die Domplatz-Abstimmung
zu erschweren: der eine liegt in der Ferienzeit; der andere im
Herbst, wo nach Landtags- und Bezirkstagswahlen sowie zwei
Volksentscheiden mit einer allgemeinen Wahlmüdigkeit zu rechnen
ist.
Lügenvorwurf, zum Zweiten
Und noch einmal wird der Hammer ausgepackt: die
gezeichnete Vision eines verkehrsberuhigten Domplatzes stelle
eine "Lüge" dar, da darauf kein Auto zu sehen sei.
Letzteres ist wohl richtig, aber für wie dumm hält man die Bürgerschaft
eigentlich, dass man ihr offenbar nicht zutraut, den Charakter
einer Vision zu erkennen? Und: wo liegt denn der Unterschied zu
den städtischen Faltblättern zur Umgestaltung des
Neupfarrplatzes und der Maximilianstraße mit ihren ebenfalls
idealisierenden Darstellungen? Planungs- und Baureferat,
Stadtplanungsamt, Städtische Pressestelle - eine Versammlung von
Lügnern?!
Nebenbei: der erste Lügenvorwurf bezog sich genau auf das
Gegenteil, nämlich darauf, die BI verschweige die mit einer
Wohnverkehrsstraße verbundenen Einschränkungen der Parkmöglichkeiten
...
Verfahrenes Ratsbegehren
Den Versuch der Stadtratsmehrheit, der nun
unvermeidlichen Bürger-Abstimmung über das Schicksal des
Domplatzes ein eilig mit heißer Nadel zusammengestricktes
eigenes Ratsbegehren gegenüber zu stellen, kann man nur als
"verfahren" bezeichnen. Denn gerade dieses Ratsbegehren
bestätigt die verkehrspolitische Richtigkeit des BI-Vorschlages,
wenn es die Regensburger Bürger vor die Wahl stellt: Domplatz-Verkehrsberuhigung
ja, aber nicht jetzt, sondern später. Wann später?
Wahrscheinlich, wenn Regensburg zu einer Stadt des UNESCO-Weltkulturerbes
wird. Also nie.
Deshalb unsere Bitte an die Regensburger Bürgerschaft:
Regensburg, 30.06.2003
1 Stand: 30.06.2003 - eine Erweiterung des Kataloges ist zu befürchten. zurück