Eine Wanderwoche (ohne Mietwagen) auf La Palma

Im Juni 2015 verbrachte Kreisverbands-Vorstandsmitglied Monika Seywald zusammen mit ihrer Freundin aus Frankfurt eine Urlaubswoche auf der kanarischen Insel La Palma – die beiden Frauen wollten vor allem die landschaftlichen Schönheiten der Insel erwandern. Da beide es sich nicht zutrauten, mit einem Leihwagen über schmale, steile und gegebenenfalls schlecht beschaffene Berg­sträßchen zu fahren, und vorab in den Reise- und Wanderführern gelesen hatten, dass viele Wan­derungen auf La Palma durchaus mit öffentlichen Bussen zu machen seien, vertrauten sich die beiden alltags-ÖV-erprobten Urlauberinnen gerne den „TRANSPORTES INSULAR LA PALMA“ an. – Hier ein kurzer Erfahrungsbericht.

Wir waren für alles offen und wir hatten Zeit – schließlich war URLAUB. So nahmen wir bei un­serer Ankunft am Flughafen von Santa Cruz de La Palma ziemlich entspannt zur Kenntnis, dass die Linie 500 vom Flughafen in die Inselhauptstadt am Samstag/Sonntag nur im Stundentakt ver­kehrt und der letzte Bus gerade vor einer knap­pen Viertelstunde gefahren war. Es gibt schließ­lich Schlimmeres, als bei bestem Wetter vor dem Airport-Gebäude auf einem Mäuerchen zu sitzen und auf den

Typisches Buswartehäuschen auf La Palma – hier mit fantastischer Aussicht auf den Atlantik!
wunderbar blauen Atlantik zu schau­en!

Der Bus kam pünktlich und brachte uns nach dem Erwerb von „dos billetes al centro “ zum Preis von 2,10 € pro Person in gut 20 Minuten an die zentra­le Bushaltestelle im Süden des Stadt­zentrums von Santa Cruz („parada sur“), wo allgemein die Busse nach Süden (Fuencaliente) und Westen (El Paso, Los Llanos, Westküste) abfahren. Wir hatten im übrigen die hübsche kleine Inselhauptstadt ganz bewusst als Urlaubsdomizil gewählt. Erstens, weil es ohne Auto praktisch ist, zu Fuß alles erreichen zu können (Läden, Restaurants, schöne Plätze etc.). Zweitens, weil wir wussten, dass es von der historischen Hauptstadt aus passable Busverbin­dungen in alle Richtungen geben würde.

Nachdem wir am ersten Tag eine kleine Wande­rung „von der Haustür aus“ hinauf zur Wallfahrts­kirche „Las Nieves“ unternommen hatten und das Wetter am zweiten Tag im Nordosten der In­sel etwas unsicher erschien, beschlossen wir, die Inselseite zu wechseln und mit der Buslinie 300 über Los Llanos nach Tazacorte zu fahren (auch für diese ca. einstündige Fahrt über die „cumbre“ galt ein Fahrpreis von 2,10 €). Der angebliche Reiz der „heimlichen Inselhauptstadt“ Los Llanos er­schloss sich uns nicht, so dass wir am Busbahnhof gleich in den nächsten Bus (direkter Anschluss!) nach Tazacorte umstiegen. Nach Besichtigung des hübschen Städtchens wanderten wir durch Bananenplantagen hinab nach Puerto de Tazacor­te – ein überaus netter Ort

Die wichtigste Adresse in Sachen ÖV auf La Pal­ma.
zum Baden, Essen und Weiterwandern. Auch die abendliche Rückkehr an die Ostküste verlief völlig ent­spannt, da es bis in den späten Abend hinein einheitlich getaktete stündliche Verbindungen nach Santa Cruz gibt.

Am nächsten Tag wollten wir die Nordostküste „vor unserer Haustür“ erkunden. Von der Halte­stelle Norden („parada norte“) an der „Avenida Maritima“ (allgemein fahren hier alle Busse nach Norden) aus nahmen wir die Linie 100 („circunva­lacion norte“) in Richtung Barlovento und fuhren bis Los Sauces. Eine kleine Wanderung brach­te uns zunächst hinunter zur Küste zur schönen Felsbade­anlage Charco Azul sowie in das überaus charmante Klein­städtchen San Andres und dann wieder hinauf nach San Juan zur Küstenstraße. Hier sammelten wir dann erste Erfahrungen beim Warten auf einen Bus „auf freier Strecke“. Feste Fahrplanzeiten gibt es nämlich nur für die größe­ren Orte, dazwischen kann man anhand einer Gra­fik im Wartehäuschen die ungefähre Ankunfts-/Abfahrtszeit des jeweiligen Busses schätzen - aber wir gaben dies ziemlich bald auf. Wir richteten es uns an der jeweiligen Bushaltestelle stets gemüt­lich ein und warteten - bei einem durchgängigen Stundentakt geht das. Meist kam ziemlich bald ein Bus, und wir wussten nie, ob er nun 10 Minuten zu früh oder 40 Minuten zu spät dran war.

Und auch der landschaftlich überaus reizvolle, vul­kanisch geprägte Süden von La Palma ist mit dem „guagua“ gut zu erreichen. Die Linie 200 brachte uns von der „parada sur“ in Santa Cruz nach Fu­encaliente (Los Canarios) und von dort wander­ten wir über den erst 1971 ausgebrochenen Vul­kan Teneguia durch die bizarre Lava-Landschaft zum Leuchtturm an der Südspitze. Von dort aus besteht an Werktagen alle zwei Stunden mit der Linie 207 die Möglichkeit, nach Fuencaliente zu­rückzukehren -

Grandioser Blick während der Busfahrt aus dem Fenster auf die karge Vulkan­land­schaft im Süden.
die Fahrt ist ein Erlebnis!

An den letzten beiden Urlaubstagen wollten wir die gebirgige Inselmitte, die Caldera de Taburien­te und die berühmte Vulkan­route kennen lernen – nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist dies ein schwierigeres Unterfangen! Dreh- und Angel­punkt ist das Be­sucherzentrum östlich von El Paso und hier hin gelangten wir mit der Linie 300 in Richtung Los Llanos. Und dann hatten wir großes Glück: im „centro de visitantes“, wo alle Autofahrer ihre Park­be­rechtigung für den kleinen Parkplatz oben in La Cumbrecita ein­holen müssen, fand sich innerhalb von 5 Minuten ein deutsches Urlauber­pärchen, das gerne bereit war uns kostenlos mit hoch zu nehmen. Welch ein Erlebnis, im Rahmen einer kleinen Wanderung den Kranz von hohen Bergen um den alten Vulkankrater zu erleben! Zurück zum Besucherzentrum kamen wir über ei­nen wunder­schönen Wanderweg unterhalb der schroffen „cumbre nueva“.

Ausgangsort der faszinierenden „Vulkanroute“ von Norden her ist der Waldrastplatz „El Pilar“ ca. 7 km südlich des Besucherzentrums von El Paso. Be­reits im Bus lernten wir einen Belgier kennen, der wie wir „ohne Auto“ unterwegs war und mit dem

Die Linie 300 von Santa Cruz nach Los Llanos ist besonders wichtig, um die Insel zu queren.
gemeinsam wir uns dann vom Zentrum aus ein Taxi nahmen: so musste jeder von uns nur noch 4 € zahlen. Und auch auf dem Rückweg war es kein Problem, vom Kiosk in El Pilar aus ein Taxi zurück zur Bushaltestelle zu organisieren.

Fazit:

  • Der ÖV auf La Palma ist gut organisiert und preisgünstig; die Busse sind modern und das Busfahren ist völlig entspannend.
  • Es gibt eine Vielzahl von Wanderungen auf La Palma, deren Ausgangs-/Endpunkt man mit öffentlichen Bussen gut erreichen kann.
  • Für die interessantesten Wanderregionen im Inselinnern (z.B. Caldera de Taburiente, Lor­beerwald von Los Tilos, Cumbre vieja) ist je­doch ein Auto/Taxi nötig. Taxen sind (zu mo­deraten Preisen) von vielen „paradas de taxis“ am Ende beliebter Wander­wege unter den dort angeschlagenen Telefonnummern unter Angabe der Nummer des Taxistandes rufbar.